„In Moskau ist am interessantesten das, was fehlt“

Sekundarstufe. „In Moskau ist am interessantesten das, was fehlt“ – so begann Peter Knoch, ein Berliner Architekt, der seit 2003 in Moskau lebt und arbeitet, am Mittwoch, den 20. Juni 2018 den Stadtrundgang mit Blick auf die Christus-Erlöser-Kathedrale. An dem Stadtrundgang nahm die Klasse 9b im Rahmen des Erdkundeunterrichts zusammen mit Frau Bieberstein und Herrn Schneider teil.
Gemeint hat Herr Knoch den in den 1920er Jahren von Stalin geplanten Bau des monumentalen Palastes der Sowjets, der eine Höhe von 450 m erreichen sollte. Ihm musste die 1882 eingeweihte erste Christus-Erlöser-Kathedrale weichen. Sie wurde 1933 gesprengt. Kurze Zeit darauf wurden die gewaltigen kreisförmigen Fundamente für den Palast der Sowjets, der ein neues Wahrzeichen werden sollte, gelegt. Der Kriegsausbruch unterbrach das Bauvorhaben. Nach dem Krieg verblasste die Idee und auf dem Fundament entstand ein ganzjährig beheiztes Schwimmbad, eine echte Attraktion, an die sich noch viele Moskauer gerne erinnern. Nach dem Zerfall der Sowjetunion riss man das mittlerweile marode Schwimmbad ab, um mit dem Wiederaufbau der Erlöserkathedrale ein neues religiöses Wahrzeichen zu errichten.
Beim Rundgang entlang der Ulitsa Ostozhenka, an deren heutigen architektonischen Aussehen Herr Knoch maßgebend beteiligt war, konnte die Gruppe anhand großformatiger Fotos und zahlreicher Anekdoten die Veränderungen im Stadtbild von der „Kommunalka“ bis zur teuren Appartementwohnung in einer Gated Community nachvollziehen.
Besonders interessant fanden die Jugendlichen den zweiten Teil des Rundgangs in Moskau City, dem einzigartigen Dienstleistungszentrum, das wie die La Défense in Paris außerhalb des alten Zentrums an der Moskwa liegt. Auch hier zeigte uns Herr Knoch einiges, was anders oder gar nicht realisiert wurde. Zum ultimativen Hingucker gehört neben der Federazija, dem höchsten Gebäude Europas, der „leicht gedrehte“ oder helixförmige Evolutions-Bau (siehe Foto).
Die dreistündige, sehr kurzweilige Exkursion endete dort, wo nicht nur in der Global-City Moskau die globale Welt zusammenkommt, in der Moskau-City-Mall.
Joanna Bieberstein