Tag 4 Berlin

Sekundarstufe. Donnerstag, 12 Uhr, Nordost-Berlin. Wir stehen vor einem massiven, steinernen Gebäude, eingezäunt von einem hohen Gitter.
Hier, in einer friedlichen Gegend steht ein lebendiges Zeugnis für die Verbrechen der Stasi. Was ehemalig als Industrieküche genutzt wurde, war ab 1951 ein Gefängnis für Staatsfeinde der DDR. Ursprünglich für die Inhaftierung von Nationalsozialisten und Holocaustverantwortlichen geplant, wurden im Nachhinein Ideologiegegner und vor allem DDR-Flüchtlinge eingeliefert.
Der Zeitzeuge und ehemalige DDR-Bürger Marion Röling teilt sein Schicksal mit uns. Im Dezember 1987 scheitert sein Fluchtversuch. Der damals 19-Jährige wird in dem Gefängnis Hohenschönhausen inhaftiert und erleidet dort qualvolle Monate. Er führt uns durch verschiedene Gebäude, zeigt uns die verschiedenen Zellen, den Keller, erzählt von der Haft. Verhörungen, Hunger und Gewalt sind Teil seines Alltags. „Man tat Gefangen weh, ohne sie anzufassen“, schildert Herr Rötung. Vor allem die seelische Folter verursachte eine tiefe Narbe.
Obwohl er heute aufgrund der traumatisierenden Haft arbeitsunfähig ist, redet er vollkommen offen über sein Schicksal. Führungen durch den Erinnerungsort wären Teil seiner persönlichen Therapie und allgemeinen Vergangenheitsbewältigung.
Heutzutage ist die Gedenkstätte besonders durch Schülergruppen stark besucht. Über fünf Millionen Besucher wurden seit der Errichtung 1990 begrüßt.
Mit diesem Gespräch wurden wir erneut mit den schattigen Seiten der deutschen Geschichte konfrontiert. Eine solch nahe Erforschung der sozialistischen Gewaltherrschaft war für uns alle eindrucksvoll. Mit gemischten Gefühlen verlassen wir die Gedenkstätte – viele schockiert, aber dennoch schätzen wir die authentische Darstellung über Unterdrückungen und Verfolgungen. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Herrn Rölling.